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2010-04-11: Gedanken zu "Konto von Spieleanbieter geplündert"

Gedanken anlässlich eines krassen Bankeinzugsfehlers

Zum Glück bin ich nicht betroffen... aber es kann einen betroffen machen, wenn man liest, was in den letzten Tagen bei Electronic Arts / Mythic Entertainment passiert ist.

Durch einen Softwarefehler wurden vielen Spielern die monatlichen Gebühren für das Spiel Warhammer Online mehrfach abgebucht. Zum Teil 30-60 fach, bei den meisten nur 20x. Das sind bei ca. 15 Dollar pro Monat schnell dann 300... wenn man nicht ein 6-Monatsabo hat, was mehrfach verrechnet wurde.

Besonders kritisch ist auch, daß einige Spieler mit schon gekündigten und inaktiven Accounts belastet wurden. Andere waren noch Wochen von ihrem eigentlichen Abbuchungstermin entfernt. Warum bewahrt ein Unternehmen bloß Kreditkarten- & Kontoverbindungsdaten von Leuten auf, die gekündigt haben? Die Freude im Forum war jedenfalls groß, als Leute, die ein Jahr nicht mehr gespielt hatten, plötzlich feststellten, daß sie wieder "glückliche" Besitzer eines aktiven Spielkontos waren - und $500 ärmer.

In den USA ist es anscheinend so, daß viele Leute mit Debit-Karten bezahlen, die - wenn ich das richtig verstehe - wie EC-Karten funktionieren. Mit einem kleinen Unterschied - je nach Vertrag werden für jede Überziehung des Kontos Gebühren von $20-30 fällig. Wenn also 30 Abbuchungen a 15 Euro eingehen, die das Konto ins Minus bringen, dann wird für jede dieser Abbuchungen nochmal die Strafgebühr fällig.

Folgen

Termingebundene Überweisungen für Miete, Ratenzahlungen und Versicherungen werden von US-Banken meist nicht durchgeführt, wenn das Konto im Minus ist. Kartenzahlung ist nicht mehr möglich, einige Spieler standen dann an der Supermarkt-Kasse und konnten nicht mehr bezahlen, weil ihre Karte keine Deckung mehr aufwies. Am Geldautomaten war es ähnlich: Konto überzogen? Kein Geld für das Wochenende. Was natürlich besonders ärgerlich ist, wenn Einkäufe für Lebensmittel anstehen oder das Auto nicht mehr genug Benzin hat, um am Montag zur Arbeit zu fahren. Ein Spieler berichtet, daß er nun keine Windeln und kein Essen für seine Kinder kaufen kann, weil sein Konto geplündert wurde.

Lösungswege

Mythic hat nun den Spielern empfohlen, erst einmal 36 Business Hours zu warten, also bis Dienstag oder Mittwoch, dann sollte das Geld wieder da sein. Tatsächlich berichten erste Spieler über Rücküberweisungen. Die allerdings - wegen dem Wochenende und der geschlossenen Banken - nicht unbedingt auch gleich die immensen Überziehungsgebühren rückgängig machen. Die Hotline für dieses Problem war natürlich gebührenpflichtig und die Wartezeiten lagen bei 30-60 Minuten...

Und hier?

Wie gesagt, ich bin davon nicht betroffen. Aber der Gedanke, ein Unternehmen könnte eine Lastschrift einreichen und zu einem ungünstigen Zeitpunkt ein völlig ausreichend gedecktes Konto plündern, ist schon unheimlich. Zumal es wohl nur eine Sekunde dauert, um Geld abzubuchen, aber mehrere Tage, um es zurückzubekommen. Wie lange dauert das eigentlich in Deutschland, bis das Geld aus Lastschriften wieder da ist? Oder wie lange dauert es, um Kreditkartenbelastungen rückgängig zu machen? Hm...

Wenn das jetzt nicht bei einem kleinen Spiel wie Warhammer Online passiert wäre, sondern bei World of Warcraft ... 2 Millionen Spieler in Europa mal 20-fache Gebühr von 14 Euro oder so ... also bei 480 Millionen - da käme wohl schon einiges zusammen, bis die Banken dem ein Ende bereiten. Kann ein Händler das eingezogene Geld eigentlich gleich weiter überweisen? Im Film geht das immer so leicht.

Fazit

  • Wenn so etwas passiert: sofort die Bank benachrichtigen und weitere Schritte absprechen. Bei Kreditkartenfirmen gibt es übrigens sehr strikte Regeln für Händler, die zu viele Rückbuchungen verursachen: denen wird ggf. einfach das Konto gesperrt und empfindliche Strafzahlungen verhängt. Auf keinen Fall warten, bis der Händler das Geld "vielleicht" zurückzahlt - das hängt natürlich von den Umständen ab, aber bei einem Ebay-Händler oder einer kleineren Firma könnte es ja auch sein, daß da jemand gerade einen längeren Auslandsaufenthalt plant - in einem Land, mit dem wir kein Auslieferungsabkommen haben.
  • Bei Online-Zahlungen: Wenn möglich, Kreditkarte benutzen, keinen Bankeinzug. Die Kreditkartenfirma belastet das Konto nicht sofort und kündigt die Abbuchung schriftlich an.
  • Genug Geld auf dem Konto haben (jaja, für viele leichter gesagt als getan - und wie viel ist genug? Es gibt Warhammerspieler, die vor 1-2 Jahren schon mal 99 Abbuchungen auf einen Schlag hatten. 99 x 15 ... hm). Zu bedenken ist auch, daß MMORPGs bei monatlichen Gebühren von ~15 Euro ein Arme-Leute Spiel sind. Es gibt kaum ein Hobby, daß für so wenig Geld so langen Spielspaß erlaubt.
  • Prepaid-Karten für Onlinespiele verwenden. Bei Warhammer Online war das in den USA anscheinend eine Zeit lang möglich, aber im Moment gibt es diese Karten wohl nicht.
  • Soziales Netz offline: Die Gilde im Spiel wird dir kein Geld leihen können, wenn deine Karte plötzlich gesperrt ist. Da helfen nur noch Real-Life-Freunde und Verwandte.
  • Genug Essen im Haus haben - empfiehlt auch die Bundesregierung [PDF]

  

Links:

http://www.golem.de/1004/74366.html / "Ein Monat spielen für $562,73"

http://www.gamasutra.com/view/news/28025/Warhammer_Online_Users_Hit_With_Repeated_Overcharges.php

http://forums.warhammeronline.com/warhammer/board/message?board.id=p2psupport&thread.id=15916

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