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oder: Nicht im System rumpfuschen (Glosse aus der Zeit vor dem Bundestrojaner)

Hintergrund: AOL hat bei vielen Kunden ohne deren Wissen oder Zustimmung die Windows-Einstellungen aus Sicherheitsgründen (positiv) verändert. Manche finden das nicht schlimm, schließlich ist es ein Dienst am Kunden... folgender Text ist meine Reaktion auf einen Kommentar im Heise-Forum.

Soulkeeper schrieb am 26. Oktober 2003 11:06

> Ich weiß ehrlich gesagt nicht so genau, warum man das jetzt so

> hervorhebt. Einziges Argument ist wohl die Masse, die AOL erreicht.

> Denn die Aussage "es sei ein gefährlicher Präzedenzfall, wenn Firmen

> einfach "in Computer reingehen und Dinge an- oder ausschalten"." ist

> ein wenig albern und populistisch

 

Albern? Keineswegs. Software, die abseits von ihrer Bestimmung Einstellungen verändert, ist schlecht.

Die AOL-Software soll den Zugang zu AOL ermöglichen. Sonst nichts. Will AOL den Kunden etwas gutes tun, kann man allen AOL-Kunden eine Mail schicken: "Wir wollen Ihnen helfen, die POP-Ups loszuwerden. Machen Sie dazu folgendes..."


Dann weiß der Anwender, was passiert und ist evtl. sogar dankbar.

Einfach so im System rumzupfuschen ist... wie wenn Du nachts

aufwachst und hörst jemanden in der Küche...


Ich: Was machen Sie in meinem Kühlschrank?

Aldi-Mann: Da ist etwas abgelaufen.

Ich: Ja, die Milch ist nicht mehr haltbar, aber das geht doch wohl noch einen Tag...

Aldi-Mann: Wissen sie nicht, Schimmel ist schädlich! Ich bin extra hergekommen, um ihren Kühlschank von abgelaufenen Aldi-Produkten zu befreien!

Ich: Ich habe sie nicht darum gebeten! Raus aus meiner Küche!

Aldi-Mann: Denken sie an ihre Gesundheit und die ihrer Familie! Wenn morgen ihre Kinder mit Bauschmerzen im Bett bleiben müssen, werde ich das dem Jugendamt melden.

Ich: Das wagen sie nicht! Außerdem kann man die Milch trotzdem noch verwenden, solange sie nicht sauer ist.

Aldi-Mann: Ja, das meinen sie - ich habe eben mit der Penny-Frau geredet, die im Keller die Marmeladenvorräte kontrolliert. Sie sagte, alles was abgelaufen ist, muß weg. Es ist nur zu ihrem Besten!

Ich: Wie bitte? Wer pfuscht denn noch alles hier rum?

Aldi-mann: Äh, warten sie mal. Also heute ist Dienstag, da kommen normal nur ich und die Penny-Frau, der London-Assistent, der die Kondome kontrolliert und die Apotheken-Lady die schauen muß, ob das Viagra auch original ist. Alles Dienst am Kunden!

Ich: Raus hier! Alle beisammen! Und wehe, ich erwische Euch noch einmal!
Endlich wieder im Bett -- den Ikea-Engel habe ich auch rausgeworfen ("Nur mal kurz die Schrauben anziehen") -- raschelt es im Arbeitszimmer.

Magenta-farbener Latex-Anzug, irres Grinsen - es muß der Telekomiker sein!

Ich: Hallo, was machen sie da an meinem Rechner?
Telekomiker: Nur kurz die Einstellungen ihres Routers kontrollieren, nicht, daß da etwas schief läuft. Nur Gemach, der Herr F. kann sofort weitermachen mit der Korrektur der Steuererklärung.
Ich: Steuer... -- sind sie nicht mein zuständiger Finanzbeamter?
F: Ja, aber nebenbei mache ich noch Kundenservice für Steuer4U, das sie sich neulich gekauft haben. Und bevor sie durch Fehleingaben im Knast landen, gehe ich nochmal ihre Belege durch. Dienst am Kunden, wissen sie? Achja, und wegen der zu hohen Werbungskosten kann ich ihnen gleich sagen: da kommt noch ein Bescheid auf sie zu... Aber das mache ich morgen, wenn ich wieder im Dienst bin.

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